Der Literaturkurs präsentiert

02.04.2017 11:23 von Dr. Albert Kapune

Auch dieses Jahr stellte der Literaturkurs der Q2 des Aldegrever-Gymnasiums, begleitet von Wolfgang Zschocke, wieder eine Projektarbeit vor. Bei der Präsentation für die Schulöffentlichkeit am 28.3.2017 ging es um das breite Themenfeld der Verfilmungen von Büchern oder Kurzgeschichten und darum, wie diese von 1954 bis 2014 umgesetzt wurden. Vorausgegangen waren im Unterricht das Schreiben und Rezensieren eigener Kurzgeschichten, Übungen zur Filmanalyse – z. B. anhand eines Monty-Python-Sketches und einer Folge der Serie »House of Cards« – und die Untersuchung von filmischen Umsetzungen von Büchern wie »Der Pianist« und »Das Parfum«.

 

Nicht nur zeitlich, auch inhaltlich lagen die vier Präsentationen größtenteils weit auseinander, so ging es von Kästners »Das fliegende Klassenzimmer« (1933) bis zu dem US-Bestseller »Divergent – Die Bestimmung« (2011), sodass für jeden etwas dabei war.

 

Der Abend begann um 19 Uhr in der Aula des Aldegrever-Gymnasiums mit Kästners »Fliegendem Klassenzimmer« und dessen Verfilmungen von 1954 und 2003. Hier wurde deutlich, wie unterschiedlich eine zeitlose Geschichte von Mut und Zivilcourage vor dem Hintergrund grundverschiedener Gesellschaften verfilmt wurde, ohne dass dabei der Charakter der Geschichte oder die Intention des Autors (der im Film von 1954 sogar noch mitspielte) verloren gingen.

 

Sowohl zeitlich als auch inhaltlich folgte ein Kontrastprogramm zu dem doch eher kindlichen »Fliegenden Klassenzimmer« – nämlich »Harry Potter und der Feuerkelch«. Mit lebensgefährlichen Prüfungen, Morden und nicht zuletzt der Wiederkehr des furchtbaren Lord Voldemort punktete bereits das Buch aus dem Jahr 2000 bei den Lesern. Die Verfilmung von 2005 jedoch, so wurde im Laufe des Vortrags klar, ist zwar technisch hochwertig, spannend und sehr prominent besetzt, aber besonders inhaltlich wird sie der Buchvorlage durch Abstriche nicht ganz gerecht.

 

Im Gegensatz zu den vorherigen Vergleichen wurde in der dritten Präsentation, nach kurzer Pause, in der für Essen und Trinken gesorgt war, erstmals die Umsetzung einer Kurzgeschichte in den Fokus gerückt – die des »Minderheiten-Berichts« von Philip K. Dick aus dem Jahre 1956 in dem Action-Blockbuster »Minority Report« von 2002. Der sehr philosophische Ansatz Dicks, so stellte sich im Laufe des Vortrags heraus, wird aber in dem eher bildgewaltigen und actiongeladenen Spielberg-Film vom Zuschauer vermutlich erst beim zweiten Hinschauen entdeckt – so ist das Problem der Definition von Recht und Gerechtigkeit, die u. a. bis auf Theorien des Aufklärers Immanuel Kant zurückgeht, auch im Film (mit Tom Cruise in der Hauptrolle) noch vorhanden, sodass die Frage, ob dieser eine Utopie oder Dystopie beschreibt, letztendlich unbeantwortet bleibt.

 

Diese stellte sich jedoch im letzten Vortrag des Abends nicht. Klar dystopisch sind sowohl das Buch »Divergent – Die Bestimmung« von Veronica Roth (»Book of the Year 2011«) als auch die gleichnamige Verfilmung von 2014, die das Bild einer unerbittlichen Kastengesellschaft in einem postkrieglichen Chicago der Zukunft zeichnet. Die Erlebnisse einer Fraktionslosen in einer Gesellschaft von Fraktionen, die sich gegenseitig unterjochen, werden nach Analyse der Gruppe zwar größtenteils detailverliebt, unterhaltsam und spannend umgesetzt, jedoch wurden auch hier, im Laufe der Handlung zunehmende, Abstriche in Charaktertiefe und Glaubwürdigkeit angemerkt.

 

So ergab sich ein insgesamt unterhaltsamer und spannender Abend, bei dem auch die Philosophen unter den Zuschauern nicht zu kurz kamen.

 

Robin Hellmich

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