Leistungsbewertung der schriftlichen Arbeiten im Fach Latein

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Die folgenden Hinweise sind dem Kernlehrplan für das Gymnasium – Sekundarstufe I (2008) – entnommen. Ferner basieren sie auf den gültigen Richtlinien und Lehrplänen für das Gymnasium – Sekundarstufe I – in Nordrhein-Westfalen (1993), sofern diese nicht durch die Kernlehrpläne einer Abänderung unterzogen worden sind.

Grundsätze der Leistungsbewertung

Bei der Leistungsbewertung wird auf die im Unterricht erworbenen Kompetenzen (s. Kapitel 3 des Kernlehrplans) Bezug genommen. Einen besonderen Stellenwert nimmt der Umgang mit Texten im Sinne der historischen Kommunikation sowie der Nachweis der dafür erforderlichen Sprachkenntnisse ein. Voraussetzungen hierfür bilden die Gelegenheiten im Unterricht, die erworbenen Kompetenzen anzuwenden. Maßgebliche Bewertungskriterien sind die Beherrschung des sprachlichen Systems, Sinn- und Strukturverständnis von Texten und die Fähigkeit zum kulturellen Transfer.

Formen der Lernerfolgsüberprüfung bei schriftlichen Arbeiten

Schriftliche Arbeiten sollen den Schwerpunkt auf die Übersetzung eines lateinischen Textes in Verbindung mit Begleitaufgaben (mit inhaltlichen, sprachlichen, stilistischen, historischen und kulturellen Aspekten) legen. Darin soll sich die Vielfalt der im Unterricht erworbenen Kompetenzen und Arbeitsweisen widerspiegeln.

Verteilung der Aufgabenarten auf die Phasen des Lateinunterrichts

Die zweigeteilte Aufgabe (2:1 oder 3:1) ist die Regel. Nur in der Anfangsphase sind textunabhängige Fragen zulässig. Folgende Aufgabenstellungen sind einmal pro Schuljahr möglich:

  • Vorerschließung mit anschließender Übersetzung
  • leitfragengelenkte Texterschließung
  • reine Interpretationsaufgabe.

Umfang des Übersetzungstextes

Folgende Leitlinie ist zu berücksichtigen: Didaktisierte Texte enthalten 1,5 bis 2 Wörter pro Übersetzungsminute, Originaltexte 1,2 bis 1,5 Wörter pro Übersetzungsminute. Abweichungen resultieren aus dem Schwierigkeitsgrad eines Textes (erleichterter Text, leichter oder mittelschwerer Originaltext, Bekanntheitsgrad des Inhalts, Vokabular).

Korrektur und Bewertung

Am nachgewiesenen inhaltlich-sprachlichen Textverständnis zeigt sich der Grad der Übersetzungskompetenz. In der Regel wird eine Übersetzungsleistung mit »ausreichend« bewertet, wenn sie auf je hundert Wörter nicht mehr als 12 ganze Fehler enthält. Die Notenstufen 1 bis 4 werden linear festgelegt.

Fehlerkennzeichnung

Zur Kennzeichnung der Art der Fehler dienen folgende Korrekturzeichen:

K
Konstruktionsfehler – bezogen auf ein Satzglied, eine Wortgruppe, einen Gliedsatz
Bz
Beziehungsfehler – falscher Bezug eines Wortes oder Wortblocks im Kontext
Gr
Grammatikfehler – mit differenzierter Angabe (C) Kasus, (M) Modus, (T) Tempus, (N) Numerus, (G) Genus 
S
Sinnfehler – nicht kontextgerechte Deutung eines Einzelwortes, Verfehlung von Sinnrichtung oder semantischer Funktion eines Kasus, Tempus, Modus (Fehlerkennzeichnung mit differenzierter Angabe s. o.)
Vok
Vokabelfehler
Vb
Vokabelbedeutungsfehler (falsche Bedeutungsvariante)
Sb
Satzbau
DGr
deutsche Grammatik
A
Ausdruck
R
Rechtschreibung
Z
Zeichensetzung

Gewichtung der Fehler

Die Fehler werden nach ihrer Schwere gewichtet. Maßgeblich ist der Grad der Sinnverfehlung. Zur Kennzeichnung des Fehlergewichts werden folgende Zeichen verwendet:

Halber Fehler (leichte Verstöße, Ungenauigkeiten, die den Sinn nicht wesentlich entstellen)
|
Ganzer Fehler (mittelschwere, Sinn entstellende Fehler oder leichtere Fehler in Wortgruppen)
Doppelfehler (schwere Verstöße, vor allem bei einer fehlerhaften Erfassung von Wortgruppen

Bei Fehlernestern wird versucht, die Ursache der festgestellten Fehler zu ermitteln; die unabhängig voneinander gemachten Fehler werden nach Art und Schwere bewertet. Folgefehler werden nicht in die Wertung miteinbezogen. Bei völlig verfehlten Stellen und Lücken wird die defekte Stelle pauschal bewertet (in der Regel pro 5 Wörter ein Doppelfehler).

 

Die Begleitaufgaben werden mit „ausreichend“ bewertet, wenn annähernd die Hälfte der Gesamtpunktzahl erreicht wurde. Die Notenstufen 1 bis 4 werden linear festgelegt. Die sprachliche Qualität der Übersetzung sowie der zusätzlichen Leistungen (Umfang, Stringenz, Reflexionsfähigkeit, Darstellung in der deutschen Sprache) werden bei der Notenfestsetzung berücksichtigt.


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