Die Kinder-Uni

»Ein Topf voller Wissenschaft«

Es war ein langer Weg vom heißen Stein und vom offenen Feuer bis hin zum Hightech-Designer-Geschirr. Schick und schön sollen die Töpfe heute sein, möglichst praktisch und technisch ausgeklügelt. Prof. Anne Suse Schulz-Beenken nahm die Junior-Studenten gestern mit auf eine Reise durch die Jahrtausende.

 

Etliche Zweit-Semester saßen auf den Bänken des Audimax am Lübecker Ring. Sie hatten sich schon im vorigen Jahr eingeschrieben und mit Begeisterung eine Menge gelernt. Nun besuchen sie auch die aktuelle Vorlesungsreihe, die der Verein der Ehemaligen des Aldegrever-Gymnasiums anbietet. Doch auch manche neue Studenten stellten sich ein, ausgestattet mit Stift und Heft, um sich eifrig Notizen zu machen. Was die Expertin für Werkstofftechnik, die an der Soester Fachhochschule lehrt, über Kessel und Tiegel weiß, das interessierte gestern bei der Veranstaltung im großen Hörsaal auch viele Eltern. Sie haben sich sicher selber schon einmal gefragt, warum das Schnitzel in einer Pfanne gut durchbrät und in der anderen verbrennt. So gab’s gestern reichlich praktische Tipps vor wissenschaftlichem Hintergrund. Was hat es damit auf sich, wenn die Elektroplatte schon rot glüht und trotzdem kaum Wärme im Pott ankommt? »Immer darauf achten, dass die Kontaktfläche möglichst groß ist, der Boden also gut aufliegt und zur Größe der Heizquelle passt«, riet die Hochschul-Professorin.

 

Was haben sich die Menschen nicht alles einfallen lassen, um ihre Nahrungsmittel zu garen, genießbar und länger haltbar zu machen! Sie brannten Lehm, formten Kupfer und Gusseisen. Später stapelten sich Behälter aus Aluminium und Jenaer Glas in den Schränken. Heute liege Edelstahl im Trend, führte Anne Suse Schulz-Beenken aus. Und immer noch haben die Forscher reichlich zu tun. Sie tüfteln und wollen herausfinden, wie sich die Fingerabdrücke auf der blitzblanken Oberfläche vermeiden lassen. Haben Töpfe auf dem Herd überhaupt eine Zukunft? Vielleicht werden bald nur noch Fertiggerichte serviert, die sich in der Packung zubereiten lassen? Oder es gibt eine schnelle Suppe aus Pulver, die im Becher mit Wasser aufgegossen und dann ausgelöffelt wird. Auch darüber dachten die Kinder nach. Denn: Die Kinder-Uni will neugierig machen … Soests stellvertretende Bürgermeisterin Christiane Mackensen hatte die Schüler zu Beginn auf »dem schönsten Campus im ganzen Land« begrüßt: »Ein toller Ort. Man lernt, und man kann viel erleben.

 

»Auch für das zweite Semester der Kinder-Uni ist es uns gelungen, ein interessantes, thematisch breit gefächertes, hochkarätiges Vorlesungsprogramm zusammenzustellen«, sagt Vorsitzender Helmut Künne vom Verein der Ehemaligen des Aldegrever-Gymnasiums. Als Referenten stehen erneut Professoren zur Verfügung, die bereits jahrelang Erfahrung mit einer Kinder-Uni besitzen. Für besonders wissbegierige Kinder laufen darüber hinaus zwei Seminare zu den beiden Themenfeldern Chemie und Geld.

 

Soester Anzeiger, 17.11.2013 (Köp.)

»Wissen macht Spaß«

In der Kinder-Uni bleibt keine Frage offen

Wer? Wie? Was? Wieso? Weshalb? Warum? Die Studenten der Kinder-Uni wissen, dass Wissen Spaß macht. Deshalb stellen sie Fragen – und bekommen Antworten. So soll’s auch im neuen Semester sein, denn die Vorlesungsreihe, die im vorigen Jahr begann, geht in die nächste Runde.

 

»Die Kinder waren Feuer und Flamme«, freut sich Helmut Künne, erster Vorsitzender der Ehemaligen des Aldegrever-Gymnasiums. Der Verein brachte dieses ehrgeizige Vorhaben auf den Weg und startete auf Anhieb durch. Das Audimax der Fachhochschule füllte sich, ebenso die Alde-Aula. So begeistert wie die Kinder, die den Professoren zuhörten, die nachhakten und sich Notizen machten, waren auch viele Eltern. Väter und Mütter holten zu Hause die Bücher raus, lasen nach oder recherchierten im Internet. Bis zu 250 Kinder stellten sich jedes Mal ein, viele nahmen ihre Diplome entgegen, 80 von ihnen besuchten alle Veranstaltungen »Wir hatten ein glückliches Händchen bei der Auswahl der Professoren, die die Themen kindgerecht darstellten«, betont Helmut Künne. Er stellte gestern Morgen Kooperationspartnern und Sponsoren die neuen Angebote vor. Wieder kommen spannende Angelegenheiten zur Sprache: Wie entsteht aus einer Blechrolle ein Auto? Wie lassen sich Schrift-Codes knacken? Woher weiß ich eigentlich, was gut ist oder böse? Kunst, Wissenschaft und Technik stehen auf dem Programm – nahegebracht mit geheimnisvollen Experimenten und überraschenden Effekten.

 

An Kommilitonen, die noch tiefer in die Materie einsteigen möchten, richten sich zusätzlich zwei Seminarblöcke: Nachwuchsforscher sind eingeladen, in die Chemie zu schnuppern, junge Finanzfüchse lernen die aufregende Welt des Geldes kennen.

  • 15. November: »Wie funktioniert ein Kochtopf«, Prof. Dr. Anne Suse Schulz-Beenken (Fachhochschule Südwestfalen, Soest)
  • 29. November: »Geheimschriften und Verschlüsselungen«, Prof. Dr. Stephan Breide (Fachhochschule Südwestfalen, Meschede)
  • 13. Dezember: »Wie wird eigentlich ein Auto gebaut?«, Dr. Frank Dreves
    (Audi Ingolstadt, Vorstand Produktion)
  • 10. Januar: »Auspacken! Welterbe im Museumskoffer«, Prof. Dr. Jutta Ströter-Bender (Universität Paderborn)
  • 24. Januar: »Was ist überhaupt ein Philosoph?«, Prof. Dr. Elmar Schenkel (Universität Leipzig)
  • 14. Februar: »Von eiskalt bis glühend heiß – was Chemie damit zu tun hat«, Prof. Dr. Ulli Englert (RWTH Aachen)

 

Soester Anzeiger, 17.10.2013 (Köp.)

»Eine Musik, die poppt«

Mit Musik geht alles leichter – das hat gestern Nachmittag hat auch die dritte Vorlesung der Soester Kinder-Uni zum Thema Popmusik gezeigt. Der Münsteraner Musikwissenschaftler Prof. Michael Custodis hatte sie alle im Gepäck und spielte ihre Musikvideos: die alten wie die Beatles, Elvis, Dylan, aber auch die aktuellen wie Adele, Pink, Psy, Rihanna.

 

Alle Finger der jungen Zuhörer flogen nach oben, als Custodis fragte: »Wer von Euch hört Musik?« Immerhin noch zwei von drei Kindern zeigten auf, als der Musikprofessor sich danach erkundigte, wer denn ein Instrument spielt. Doch dann wurde es schon knifflig: »Was ist Popmusik?« Am lustigsten war noch diese Antwort: »Eine Musik, die poppt.« Die populäre Musik, so der Professor vor rund 150 Acht- bis Zwölfjährigen, gibt es seit den 50er-Jahren, sie habe ein paar unverwechselbare Handschriften: Melodie, Text, Gitarren, Schlagzeug, vor allem viele Bausteine, die sich durch nunmehr 60 Jahre Popgeschichte ziehen, aber immer wieder neu zusammengesetzt und frisch herausgeputzt werden.

 

Custodis machte das geschickt an Beispielen klar, spielte Madonnas Hung Up aus 2005 und hielt dann Abbas Gimme, Gimme, Gimme aus 1969 dagegen. Abbas Zutaten, die Madonna da so erfolgreich einstreute, hätten die amerikanische Sängerin viel Geld gekostet. Das Wiedererkennbare und das immer wieder zeitgemäß Aufgemischte in der Popmusik führten am Ende dazu, dass sich in manchen Konzerten Kinder, Eltern und Großeltern gemeinsam wiederfänden – was ja nicht nur peinlich sein müsse.

 

Soester Anzeiger, 19.01.2013 (hs)

»Die Nieten waren die Nieten«

Warum sank die Titanic? / In der Kinder-Uni gehen kluge Köpfe den Dingen auf den Grund.

 

An den Blechen lag’s nicht. Die waren tipptopp. »Doch die Nieten waren die Nieten«, brachte es einer der kleinen Kommilitonen gestern Abend in der ersten Vorlesung auf den Punkt. Er machte gleich die Schwachstellen aus, die mit zum Untergang des Ozeanriesen führten: Verbindungen von minderer Qualität am Rumpf des Schiffes. Im Audimax waren lauter kluge Köpfe zu sehen. An die 300 Kinder stürmten den Saal, um im Wintersemester den Dingen auf den Grund zu gehen.

 

Warum sank die Titanic in den eisigen Fluten des Nordatlantiks? Das ist ein Thema, das die Junioren begeistert, weiß Anne Schulz-Beenken, die an der Fachhochschule Südwestfalen lehrt, und die gestern Studenten begrüßte, die das Abitur noch nicht in der Tasche haben, die aber neugierig sind, viele kluge Fragen stellen und ihren Wissensdurst stillen möchten. Der Verein der Ehemaligen des Aldegrever-Gymnasiums startet mit der Kinder-Uni, eine Reihe, die zeigt, dass all das, was Wissen schafft, auch Spaß macht. »Viele haben sich vorher schon schlau gemacht«, freute sich Anne Schulz-Beenken, die die Kinder mitnahm auf die Reise übers Meer und berichtete, wie es vor hundert Jahren zuging, als die reichen Herrschaften ihre Passage buchten, um bei der Jungfernfahrt des damals größten Schiffes der Welt dabei zu sein.

 

Mancher wusste gestern genau Bescheid, erzählte von den Eisbergen, von Tauchcomputern und darüber, wie es später möglich war, in viertausend Metern Tiefe bis zum Wrack des einstigen Luxus-Liners vorzudringen. »Eigentlich fing alles mit dem Fernglas an, das in einem abgeschlossenen Schrank lag …« Und die weißen Raketen als Notsignal? Besatzungen, die in der Dunkelheit die Lichter sahen, hielten sie für Freudenfeuer und dachten, da wird ein Fest gefeiert. So begannen die spannenden Geschichten, denen das Auditorium gestern lauschte, um dann zu erfahren, was Technik und Forschung alles bewegen und bewirken.

 

Die Schüler wissen: Es gibt viele Fragen rund um die Titanic, doch eine ist für immer und ewig geklärt: Leonardo di Caprio und Kate Winslet waren nicht an Bord. Themen, die Soests jüngste Studenten interessieren, gibt’s reichlich. Sechs Termine stehen bis zum Februar auf ihrem Vorlesungs-Plan. Wer regelmäßig teilnimmt und den Uni-Ausweis stempeln lässt, bekommt zum Abschluss die Diplom-Urkunde.

 

Soester Anzeiger, 17.11.2012 (Köp.)

Kinderuni startet mit Titanic

Warum ging die Titanic unter? Die meisten dürften es nicht genau wissen. Aber die Kinder aus dem dritten bis sechsten Schuljahr, die am 16. November (17 Uhr in der Fachhochschule ) die Premiere der Soester Kinderuni besuchen, werden es genau erfahren. Seit Monaten hat der Verein der Ehemaligen des Aldegrever-Gymnasiums die Kinderuni vorbereitet; gestern nun kamen Macher, Helfer und Geldgeber zusammen und präsentierten das Programm des ersten »Wintersemesters«.

 

Namhafte Professoren werden nach Soest kommen und in kindgerechter Form und Sprache dozieren, nicht nur über den Untergang der Titanic, sondern auch über Popmusik, Taschengeld, die Entwicklung von Kindern zu Erwachsenen, über Preise und am Ende auch über die Frage: Was ist eine Oper? – passend zur Aufführung der Soester Stadtoper Cosi fan tutte im Juni. »Die Kinderuni ist eine absolute Bereicherung für unsere Stadt und die Region«, freut sich Bürgermeister Eckhard Ruthemeyer, der die Schirmherrschaft über das Projekt übernimmt. »Lernen und Wissen machen Spaß, es gibt keinen erhobenen Zeigefinger, dafür aber Begeisterung für die Themen.« So stellt sich der Vorsitzende der Alde-Ehemaligen, Helmut Künne, das Projekt vor. Dass es klappen kann, davon hat sich sein Mitstreiter Bodo Dreves an anderen Kinderunis im Land überzeugt. Wichtig ist den beiden: »Es werden keine Eintrittsgelder erhoben.« Denn nur so lasse sich das Ziel verwirklichen, dass die Kinderuni alle Dritt- bis Sechstklässler – egal aus welcher Schicht sie kommen – erreicht. Und sollte sich mal ein Erwachsener in die 45-minütigen Vorlesungen »verirren« – kein Problem, »wir schicken niemanden weg!«, versichert Künne.

 

Der Soester Anzeiger, der zu den Kooperationspartnern der Kinderuni zählt, wird sowohl in der Tageszeitung als auch im Netz das Programm, die Dozenten und die Themen vorstellen. Auf der Internetseite sollen außerdem im Nachgang Zusammenfassungen veröffentlicht werden, so dass im Lauf der Zeit ein kleines Nachschlagewerk entsteht – in möglichst kindgerechter und verständlicher Sprache. Die sieben Veranstaltungen in den nächsten Monaten sind nach Auskunft Künnes »keine Eintagsfliege«. Die Kinderuni-Macher seien bestrebt, ein dauerhaftes Projekt anzulegen. Und im Gegensatz zu anderen Kinderunis gehe es bei den Vorlesungen nicht nur um Technik und Naturwissenschaften, sondern um die volle Bandbreite der Wissenschaft: von der Wirtschaft bis zur Politik, von der Medizin bis zur Musik.

 

Soester Anzeiger, 01.11.2012 (hs)


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