Ein Riss in der Mauer

Die Theater-AG des Aldegrever-Gymnasiums führte ihr neues, eigenes Stück »Melancholiebe, Baby« auf. Mitten auf der Bühne steht als Symbol der Trennung und der Unüberwindbarkeit eine lebende Mauer.

 

Die Klans der Khans und der Gennaros stehen einander seit Jahrtausenden feindlich gegenüber. Abadi Khan ist jedes Mittel recht. Im Spagat zwischen chauvinistischer Familienpolitik und bemüht-cooler Social-Media-Propaganda kämpft er um die Macht seines Hauses. Für die Zukunft setzt er alle Hoffnungen auf sein ungeborenes Kind. Abadis Frau stirbt bei der Geburt und somit ist das Kind seine letzte Hoffnung. Aber, die Hebamme muss es mehrfach überprüfen und bestätigen, Dunya Khan ist – nur – ein weiteres Mädchen.

 

Mit einer gekonnten Verflechtung veralteter Rollenvorstellungen und überneuer Medien unserer Zeit fand die Theater-AG den explosiven Ausgangspunkt für Fragen nach dem Glück des Einzelnen. Das 27 Schüler umfassende Ensemble um den Lehrer Tim Hovestädt stellt die großen Fragen nach dem Erwachsenwerden, der Erfüllung der Erwartungen Anderer und der eigenen Sexualität, ohne dabei aufdringlich zu wirken. Hovestädt möchte klar verstanden werden: »Wir wollten den Stimmen von Kindern wieder mehr Bedeutung verleihen und ein Zeichen gegen Homophobie setzen«. Gleichzeitig ist das Stück auch eine mitreißende Geschichte über Freundschaft. Dieser steht aber, wirksam durch ein einfaches, aber eindeutiges Bühnenbild dargestellt, die Mauer im Weg.

 

Dunya Khan, das ungewünschte Mädchen, soll lernen, der männliche Nachfolger seines herrschsüchtigen Vaters zu werden. Die Bedürfnisse und die Qualen seiner Tochter sind ihm dabei völlig egal. Wenn sie gegen die aufgezwungene Rolle aufzubegehren versucht, erhebt er seine Hand und schlägt zu. Ganz deutlich wird ihre Verzweiflung, wenn sie alleine in ihrem Zimmer ist und schreit und tobt. Trost kommt ausgerechnet von der anderen Seite der Mauer, in der sich ein kleiner Riss gebildet hat. Dunyas Zimmer grenzt an die Mauer und auf der anderen Seite lebt Laura, die Tochter der Gennaros. Die beiden erkennen ihre Seelenverwandtschaft, spielen, tanzen, trösten einander, werden zusammen älter und können sich doch nie sehen. Die beiden Töchter verlieben sich ineinander. Aber Dunya traut sich nicht, ihrer Freundin zu sagen, dass sie ein Mädchen ist.

 

Mit schauspielerischem Können gelang es dem Ensemble, die Bühne zu beleben und die Zuschauer zu fesseln und zu rühren. Mit viel Wortwitz wurden die Zuschauer schnell abgeholt und langsam an die ernsten Themen und das tragische Schicksal von Dunya und Laura herangeführt. Damit wurde dem Publikum ein kurzweiliger und gleichzeitig zum Nachdenken anregender Abend geboten. Ganz deutlich zu merken war, wie sehr die große Theater-AG die unterschiedlichsten Schüler aller Jahrgangsstufen zusammenführt, um mit viel Spaß an einem großen Projekt zu arbeiten, in dem jeder Schüler sich selbst ausprobieren kann. »Ich finde es unheimlich spannend, in eine Rolle zu schlüpfen, in der ich sowohl Junge als auch Mädchen bin. Dunyas Gefühlsausbrüche zu spielen, macht mir besonders viel Spaß«, sagt Enya Schoemaker (Klasse 6d), die Abadi Khans Tochter als jüngeres Mädchen spielt. Die Theater-AG selbst ist der vorbildliche Gegenentwurf zu den Klans der Khans und Gennaros. Die Premiere fand am 28. Juni statt.

 

Jan Lecher

Schulpartnerschaft mit dem Griftland-College Soest (NL)

Ein offener Umgang miteinander und öfter mal über den eigenen Tellerrand schauen sind Ziele der Partnerschaft der Stadt Soest und der gleichnamigen niederländischen Gemeinde, die bereits seit 1952 besteht und sich um einen turnusmäßigen Sport- und Kulturaustausch zwischen den beiden Städten bemüht.

 

Eine Erweiterung dieser Städtepartnerschaft in Form eines Schulaustausches entstand vor nunmehr vier Jahren, als die Schülerinnen und Schüler der Soester Europaschule Aldegrever-Gymnasium zum ersten Mal der Einladung des Soester Griftland-Colleges folgten. Beide Schulen sind interessiert an regelmäßigen gegenseitigen Besuchen, sodass sich nach einem Besuch der niederländischen Schülerinnen und Schüler vor zwei Jahren am Alde auch am 14.06.19 wieder eine Gruppe bestehend aus 21 Schülern des Aldegrever-Gymnasiums und den begleitenden LehrerInnen Nina Pieper, Noemi Schabbing und Nils Könemund auf den Weg zur Partnerschule in den Niederlanden machte.

 

Nach einem herzlichen Empfang um ca. 10:30 Uhr auf dem grünen Gelände des Griftland-Colleges erfolgte die offizielle Begrüßung durch den Bürgermeister der Gemeinde sowie den Schulleiter. Ein reger Austausch zwischen den Schülern fand – nicht zu vergessen nach einer ersten kulinarischen Stärkung – in Form eines Speed-Datings statt. Im Anschluss an das folgende Mittagessen teilte sich die Großgruppe in »Sportler« und »Musiker« auf. Während die Musiker gemeinsam mit Musiklehrerin Nina Pieper und einer niederländischen Musik-Kollegin ein Stück einübten, konnten sich die Sportler unter Aufsicht der Sportlehrkräfte bei Soft-, Volley- und Fußball auf dem Sportplatz austoben. Es folgten eine Stadtführung mit Einladung zum Eisessen bei strahlendem Sonnenschein sowie die Vorführung des eingeübten Stückes der Musiker. Beim abendlichen gemeinsamen Grillen konnten die SchülerInnen sowie die Lehrpersonen den Austausch gemütlich ausklingen lassen.

 

Was anfänglich mit einem aufgeregten »Ohje, wir müssen uns dann auf Englisch unterhalten?« begann, entwickelte sich binnen eines Tages zu einer offenen und gelösten Kommunikation zwischen den Soester SchülerInnen des Aldegrever-Gymnasiums und den Soester SchülerInnen des niederländischen Griftland-College. Die betreuenden LehrerInnen sind sehr zufrieden und freuen sich bereits auf den hoffentlich kommenden Besuch der niederländischen Gäste am Aldegrever-Gymnasium in zwei Jahren.

 

Noemi Schabbing

Europatag am Alde 2019

Am 9. Mai feiert die Europäische Union offiziell ihren Geburtstag (Gründungstag der EU). Anlass genug, diesen Tag an der Europaschule Aldegrever-Gymnasium zu feiern. Die teilnehmenden 96 Schülerinnen und Schüler kamen von sechs Schulen des Netzwerks der weiterführenden Europaschulen im Kreis Soest (Europaschule Aldegrever-Gymnasium, Don-Bosco-Schule, Hubertus-Schwartz-Berufskolleg, Lippe-Berufskolleg, Europaschule Ostendorf-Gymnasium, Europagymnasium Warstein).

 

Das diesjährige Thema fokussierte sich – entsprechend der offiziellen »Europawoche 2019« des Landes NRW – auf »Europa: gemeinsame Werte, gemeinsame Zukunft«. Europäische Werte und der Lebensrealitätsbezug in Europa sollten den Schülerinnen und Schülern näher gebracht werden. So war das Motto am Alde: »Die EU und Ich – Die Europawahl 2019«. Das Alde war dabei eine der 96 Schulen in NRW, die vom Europaminister Stephan Holthoff-Pförtner für ihr Projekt im Wettbewerb »Europawoche 2019« ausgezeichnet wurden.

 

Ziel war es, den Schülerinnen und Schülern die Grundstrukturen der Europäischen Union zu vermitteln und ihnen darüber hinaus, die Möglichkeiten und Werte (z. B. Frieden und Freiheit, Bildung und kultureller Austausch) der EU zu erläutern und sie zu sensibilisieren, diese Werte zu leben und sich selbstverständlich für sie einzusetzen.

 

In seinen kurzen Begrüßungsworten sprach Dr. Peter Liese als Mitglied des Europäischen Parlaments über Themen wie Frieden, Bildung und, besonders interessant für die Jugendlichen, das Thema Umwelt. Hauptredner war Andreas Christ vom Team Europe, der als Vertreter der Europäischen Kommission aktiv ist und sich insbesondere auf Jugendbildung spezialisiert hat. Anschließend arbeiteten die Schülerinnen und Schüler in einem der dreizehn Workshops zum Thema Europäische Union und Parteien der Europawahl 2019. Es wurden Profile und Übersichten erstellt, die den Teilnehmenden in einem Museumsgang präsentiert wurden. Durch diese Informationen bereichert, konnten sodann die Schülerinnen und Schüler an der kleinen »Europawahl 2019« teilnehmen. Ausgestattet mit einem Wahlzettel stimmten sie in der Wahlkabine ab und warfen ihren Wahlschein in die vorgesehene Urne. Die Ergebnisse dieser Juniorwahl dürfen aber erst nach dem offiziellen Wahltermin am 26. Mai 2019 ausgewertet und publiziert werden.

 

Für die Schülerinnen und Schüler war der Europatag am Alde bereichernd. Sie arbeiteten mit den Jugendlichen der anderen Schulen intensiv zusammen und konnten sich über Themen der EU austauschen. Alle Teilnehmenden stehen der EU positiv gegenüber und wissen die Möglichkeiten der Freiheiten und des Wohlstandes zu schätzen. Alle sehen ihrer Zukunft in der EU optimistisch entgegen. Dies zu vermitteln und zu intensivieren, war Ziel des diesjährigen Europatages am Alde. Alle haben begriffen: Europa ist unentbehrlich.

 

Christian König

–––––––Alde-Blog/Pressespiegel ––––

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